Lesen Sie gerne ?

Hallo, liebe Leser !

Heute, am vorlezten Märztag, habe ich mal eine Angestellte:

Frauchen schreibt für mich auf, was ich ihr diktiere. Meine rechte Zeigefingerkralle ist nämlich etwas indisponiert und hat auch keine Lust zum Tippen. Dafür bin ich aber ausgesprochen redselig, da muss mein liebes Frauchen sich sehr anstrengen, um mit meinen Worten beim Aufschreiben Schritt zu halten. Sie macht das erstaunlich gut. Es heißt ja immer, Tiere und Menschen haben nicht die gleiche Sprache, das stimmt aber nicht. Meine Herrschaften verstehen mich doch bestens und ich auch sie. Ich glaube, es hängt davon ab, wie lieb man sich hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Zweibeiner ein verfressenes, bissiges Krokodil versteht – wenn es überhaupt etwas zu sagen hat. Oder einen nackten Grottenolm, oder einen dummen Regenwurm, der zufällig mal aus dem Boden guckt. Das sind doch wirklich keine Lebewesen, mit denen man sich unterhalten möchte. Ich habe auch noch keinen Menschen gesehen, der z.B. mit einer Spinne schmust oder eine Tarantel küsst. Ich hätte zu diesem Thema noch eine Unmenge zu sagen, aber es wäre auch gut für euch und eure Gedächtnisleistung, sich selbst mal Gedanken darüber zu machen. Nehmt meine wohlgemeinten Worte nicht einfach so hin, sondern tut was für euer träges Hirn. Denken hält jung!

Draußen in den Gärten ist Hochbetrieb! Überall wuseln Zweibeiner herum und vertreiben uns von unseren Lieblingsplätzen, weil sie harken, schnippeln, pflanzen wollen. Mein schöner weicher Laubhaufen unter der Konifere ist einfach in der grünen Tonne verschwunden! Nun kommt da der stinkende Bärlauch hervor – soll ich mich etwa darauf legen ? Nein, danke! Ich würde gern mal das Bettzeug meiner Herrschaften in die Tonne hauen und statt dessen stinkendes Grünzeug auf die Matratzen werfen. Die würden ganz schön dumm gucken und sicher kein Auge zubekommen auf solchem Chaos.

Die Terrasse ist auch nicht mehr die, die sie war. Nur, weil meine Herrschaften dort Kaffee trinken wollen, haben sie ihren Tisch und die Stühle aus dem Keller geholt und sich dort häuslich eingerichtet. Mein Freund Oskar hat auch dumm geguckt, er mag die Veränderungen ebenso wenig. Aber, wer fragt uns schon!?

Ja, im Moment leben wir Vierbeiner gar nicht stressfrei. Jeden Tag müssen wir uns auf eine neue Situation einstellen und umdenken. Es betrifft dummerweise alle Gärten, die im Umbruch sind. Ich hoffe nicht, dass die Nachbarschaft eine Absprache gegen uns getroffen hat, alle zur gleichen Zeit ihre grünen Oasen umzumodeln, um uns zu ärgern. Wenn das der Fall ist, werde ich einen Vierbeiner – Aufstand organisieren, dann werden sie schon sehen! Frauchen, die meine Worte ja gerade aufschreibt, wird jetzt sicher einen Schreck bekommen und alle Gartennachbarn darauf hinweisen, bei ihren Aktionen auch an uns Tiere zu denken und uns den Lebensraum nicht zu sehr einzuengen. So gesehen ist es doch gut, dass nicht ich heute schreibe, sondern Frauchen. Dadurch erfährt sie meine Gedanken und kann handeln.

Das wird sie tun.

Ich bin andererseits begeistert, dass die kahlen Bäume und Sträucher jetzt wieder grün werden. Da kann man sich viel besser verstecken, wenn man auf die Piepmätze wartet. (Ja, ich weiß, ich hatte versprochen, nicht mehr zu jagen! Aber das war letztes Jahr.) Gestern habe ich bemerkt, dass unser Nistkasten wieder besetzt ist. Die hübschen bunten Meisen mag ich sehr. Ich werde sie aber in Ruhe lassen, damit mich meine Zweibeiner nicht verdammen. Gute Vorsätze können ja nicht schaden.

Frauchen will nicht mehr, sie will nicht mehr tippen. Ich möchte mir jetzt noch ein kleines Schläfchen auf dem Schreibtischstuhl genehmigen, bevor draußen die Jagd mit Oskar beginnt. Der wartet sicher schon im Hof  – er muss sich noch gedulden.

Lieb grüßt der müde

                                                     K A R L S S O N

 

© copyright Oranienburger Tierfreunde e.V.
    Diese Kurzgeschichte stellte uns eine Tierfreundin zur Veröffentlichung zur Verfügung